Hallo

Hallo
Radelnd die Welt erkunden

30. November 2010

Albany - Esperance

How‘s going, mate

Das Hauptthema für diese Strecke war, wie könnte es auch anders sein, wiederum das kalte, windige Wetter. Es gab kaum einen Abend, an dem wir gemütlich draussen sein konnten. Sobald die Sonne von der Nacht verschluckt wurde, begann das grosse Frösteln und alsbald verschwanden wir in den Daunenkokons. 
Wenigsten war es aber tagsüber von den Temperaturen her ok, so dass wir meist in kurzen Hosen und Leibchen aufs Velo konnten. 
Nach Albany verliessen uns die saftigen, triefenden Landschaftsbilder der Küstenregion und wir tauchten in ödes, trockenes Farmland ein. Stundenlang fuhren wir an Kornfeldern entlang, die lediglich durch Salzseen, die wie Eisschollen im Getreide schwammen, unterbrochen wurden. Die Strassen wurden immer kurvenloser, so dass man stellenweise kilometerweit nach vorne blicken konnte. Es war, als würden wir auf einer Schnur radeln, dessen Ende ins Nirgendwo abfällt. Hier wird einem die unaufhörliche Weite des Landes, diese kontinentale Fläche, so richtig bewusst. Die Siedlungen in dieser Region wurden stets kleiner, dafür die Abstände zwischen ihnen umso grösser. Da kam es schon mal vor, dass wir hundert Kilometer ohne Verpflegungsmöglichkeit gefahren sind. Umso erfreuter waren wir dann, einen „General-Store“ (eine Art „Tante-Emma-Laden“) anzutreffen, wo wir uns wieder mit dem Luxus der Zivilisation eindecken konnten.

endless road


Orientierung ist kein Problem




am Wegesrand

Fast so kalt wie in der Schweiz, fast schon wie im Schnee

Es war wie verhext: Irgendwie schafften wir es immer, gegen den Wind zu fahren! Und der war meist wild wie ein Schwarm grimmiger Bienen. Wir hatten Tage, da hat er uns fast vom Rad geblasen und nur mit viel Kraftaufwand konnten wir die einzelnen Meter hinter uns bringen. 
Vom Verkehr her gibt es nichts zu beklagen. Selbst die Lastwagen überholen uns mit grossem Abstand, manche hupen sogar, um sich anzukündigen. Zudem hat es auf den Strassen da draussen sowieso kaum Verkehr; was natürlich für uns wunderbar ist.
Fürs Schlafen haben wir bis jetzt immer einen Ort angesteuert, der auch einen Camping vorzuweisen hat. Das ist in Australien nicht so schwierig, weil fast in jeder Ortschaft eine Möglichkeit zum Campieren besteht. Vom Standart her sind die Plätze sehr unterschiedlich. Manche bieten herrliche Grasflächen, Küche, blitzblanke Duschen und WC‘s an, andere kommen eher verwahrlost und spartanisch daher. Unser Erfahrung hat ergeben, dass nicht unbedingt der schlechteste Camping auch der billigste ist. 
Das Schönste für uns sind eindeutig die vielen herzlichen Begegnungen mit der Bevölkerung. Die Australier sind offene, neugierige Menschen, die mit viel Interesse auf einem zukommen. Sofort ist man mit ihnen im Gespräch, sofort fühlt man sich mit ihnen wohl. Viele scheinen eine Dauerkarte für Lockerheit und gute Laune zu besitzen. Oft sind wir berührt von ihrer Hilfsbereitschaft und Grosszügigkeit. Sie geben uns das Gefühl, willkommen und umsorgt zu sein. 
Und nun ruhen wir seit zwei Tagen in Esperance. Es scheint, dieser Ort ist ein Teil aus einem dreidimensionalen Ferienkatalog. Alles ist so frisch, so unbefleckt, so glänzend, so unwirklich. Selbst das Wetter wurde hier wohl neu formatiert und auf Sommer getrimmt. Weisser Strand, türkisfarbenes Meer und - wir können es kaum glauben - blauer Himmel. Ein Himmel ohne Wolken, ohne Geschmiere, ohne eine Spur von Weiss. Wir wähnen uns im Paradies! Nur der Wind zerzaust uns auch hier die Frisur...
Uns gefällt es hier so gut, dass wir noch ein Weilchen bleiben.


Esperance Beach







Am 2. Dezember werden wir wieder aufbrechen. Wir fahren 400km in den Norden nach Kalgoorlie, eine Minenstadt. Und eine Stadt mit Bahnanschluss. Dort werden wir am 9. Dezember auf den Zug hüpfen und in den Osten des Landes tuckern. Wir haben beschlossen, die weite Nullarbor-Plain, die leere Leere zwischen „Western Australia“ und „South Australia“ nicht mit dem Fahrrad zurück zu legen. 
Mitte Dezember wollen wir dann in Adelaide eintreffen. Gerade rechtzeitig, um mit Michs Bruder, der dort lebt, Weihnachten zu feiern. 
Seid herzlichst gegrüsst, gedrückt und getätschelt. 
Kitty & Mich

28. November 2010

Von Perth nach Albany

Albany, 19. November 2010
G‘day!
Momentan fegt uns ganz schön der Wind um die Ohren. Wir sitzen in Albany auf dem Camping und lassen die stöhnende Kraft an uns vorbeisausen. Herrlich ist es, wie die Bäume rauschen und die wattigen Wolken durch den blauen Himmel ziehen. Herrlich ist es, dass wir bei diesem Spektakel für einmal nicht auf dem Velo sitzen!
Dem war aber nicht immer so. Seit Beginn weg ist der „South-Easterly“, ein bissiger Wind aus Südosten, nämlich unser Gefährte und unser Leid. Kein Tag verging ohne seine Gesellschaft. Kein Tag, an dem er nicht in an uns rubbelte, zerrte und drückte, als wären wir die Innereien eines Haartrockners.
Dass er wuchtig daherkommt ist nur eine Seite der Medaille. Damit muss man rechnen, wenn man nach Australien kommt. Weit unangenehmer ist die kühle, um nicht zu sagen kalte Temperatur, die er mit sich bringt. Nix mit kurze Hosen tragen und bis in die dunkle Nacht vor dem Zelt sitzen. Bis jetzt haben wir uns nach dem Abendessen ganz hurtig in die warmen Schlafsäcke verkrochen und abgewartet, dass die Sonne am Morgen ihre ersten warmen Strahlen zu uns prasselt. Erst dann wurde es wieder so warm, dass man sich draussen aufhalten konnte.
Doch der Wind hat auch seine Vorteile. Solange er bläst, hält er die Millionen von australischen Buschfliegen in Schach. Sie kommen nicht gegen ihn an und verdrücken sich irgendwo in den Ritzen. Gut so, denn sobald es nur irgendwie geht, sind einem die Dinger am Attackieren, aufdringlich und lästig wie eine Horde Mitarbeiter eines Call-Centers. Dabei kennen sie keine Scheu, kraxeln einem in Nase, Ohren, Mund und Augen bis man vor Kribbeln fast verzweifelt. Ganz perfid ist es, wenn man mit dem Velo einen Hügel erklimmt. Da umschwirren sie einem wie einen vergammelten Kuhfladen; so als wüssten sie ganz genau, dass man keine freie Hand hat, um sie zu verscheuchen, so als würden sie absichtlich mit einem Katz und Maus spielen. Echt lästig!
Und damit wären aber auch schon die etwas weniger schönen Seiten der letzten drei Wochen umschrieben. Trotz der gelegentlichen Müh sind wir wohlauf und wahrlich am Laben! Es ist einfach toll hier zu sein. In dieser Gegend Rad zu fahren ist wie ein Sechser im Fahrrad-Lotto. Wir kurbeln von einem Highlight zum anderen, sind erquickt über die wundervolle Natur und den überaus lockeren und freundlichen Menschen, die wir täglich treffen. Die Strecke bis hierher war sehr abwechslungsreich und ein Genuss für alle Sinne. 
Bis hierher hat uns auch Kathrin, eine Freundin aus der Schweiz, begleitet. Sie mietete in Perth ein Auto und ist uns jeweils ans Etappenziel gefolgt. So konnten wir dann den Abend und die velofreien Tage zusammen verbringen. Kathrin ist eine Frohnatur und die personifizierte Liebenswürdigkeit. Und sie ist eine umwerfende Köchin! Die weibliche Jamie Oliver. In unserem Ranking „The Top of The Top“. Was wir mit ihr in den letzten zwei Wochen mit dem Campingkocher auf den Teller gezaubert haben, war ein Gaumen- und Zungentanz.
Bald ziehen wir weiter Richtung Osten. Dort werden wir ins eher ländliche Australien vordringen, in eine Gegend endloser Getreidefelder. Unser nächstes grösseres Ziel wird dann Esperance sein. 
Bis bald. Liebe Grüsse. Kitty & Mich

Man glaubt es kaum, aber diese Bild ist in Australien aufgenommen

On the beach

Denmark Beach


Anabolika-Bäume


Traumstrecke


1000 Kilometer Bild


26. April 2010

Bye Bye Thailand

Unsere Reise durch Thailand nähert sich dem Ende. Ein letztes Mal baden wir in der Hitze, die uns den Schweiss aus unseren Poren saugt. Ein letztes Mal schlendern wir über den Night Market und lassen uns auf kulinarische Gipfelstürme ein. Das vermeintlich letzte Lächeln wartet wohl am Flughafen auf uns...

Danke für dein Interesse.

Bye Bye Thailand! Bye Bye Blogleser!

Sawadii Kha, Sawadii Krap!



19. April 2010

Paradiesisch

Und schon wieder ein Sawadii Krap aus Thailand!

Die Strecke von Nong Khai westwärts führt fast ausschliesslich dem Mekong entlang, der rechts der Strasse leise und träge, um nicht zu sagen faul, durch die üppige Vegetation gleitet, als wäre er eine überlange, Filzpantoffeln tragende Raupe, die niemanden aufschrecken will. Die Gemächlichkeit des Flusses stülpt sich über alles, was seinen Weg kreuzt und scheint ansteckend zu sein wie eine Infektion. Man wähnt sich in einer anderen Dimension, in einer antiken Galaxie, einem längst vergessenen Kosmos, wo die Zeit gar nicht existiert. Das Leben schlägt hier nochmals ein paar Takte langsamer, als es dies in Thailand ohnehin schon tut und die Gegend trieft vor Frieden, Ruhe und Gemütlichkeit; so süss und klebrig wie eine Waffel getränkt in Honig.

Das Gebiet ist dünn besiedelt, nur ab und zu haften ein paar Hütten oder Häuser am Strassenrand, doch grösstenteils ist man hier ungestört unterwegs, kann das vom Fluss, den Hügeln und dem Dschungel geprägte Panorama, die Dichte der Flora, das Rascheln der Fauna und das dominante Flüstern des Flusses voll auf sich wirken lassen. Es ist, als befände man sich in einer dreidimensionalen Postkarte. Radelt man hier, fühlt es sich an, als werde die Seele mit Tigerbalsam einmassiert.


























Fast 200 Kilometer legt man auf einer meist gut asphaltierten, ruhigen Strasse, die sich in kleineren Falten über den satten Boden gebettet hat, zurück, dann erreicht man „Chiang Khan“, eine grössere Ortschaft und für mich die schönste Stadt Thailands. Hier kauern entlang des Mekongs wettergezeichnete, stilvolle Häuser aus Teak, die liebevoll gepflegt und mit schlichter Kreativität geschmückt werden. Kleinere, niedliche Shops mit allerlei Krimskrams, Cafés und Restaurants haben sich an der Strassenfront etabliert und laden zum Flanieren ein. Es hat kaum Verkehr, aus den nach vorne offenen Lokalen klingt ab und zu ruhige, klassische Thaimusik und die freundlichen Menschen geben eine Liebenswürdigkeit von sich, dass einem das Herz vor Rührung zu tropfen anfängt. Dazu die atemnehmende Aussicht über den Fluss zu den nahen, dunstigen Bergen von Laos. Das alles wirkt so surreal, so gar nicht glaubhaft, und es ist in der Tat schwer zu begreifen, dass dieser friedvolle Fleck, der so prall gefüllt ist mit Stille, sich tatsächlich in Thailand befindet. Dem Thailand, das einem Transistorradio gleicht, dessen Lautstärkeregler fortdauernd am oberen Anschlag eingerastet ist.














Von dieser friedvollen Atmosphäre können wir momentan nicht genug bekommen! Nicht nach der lärmenden, stinkigen, anstrengenden Zeit, die wir zuvor durchquert haben. Wir wohnen hier einmal mehr in einem wunderschönen Zimmer mit einem phantastischen Blick auf den Mekong. Uns gefällt es hier so gut, dass wir noch mehr davon kosten wollen. Es ist, als hätten wir an einem feinen Wein genuckelt und nun möchten wir noch das ganze Glas – nein, die ganze Flasche - leertrinken. Die Ruhe hier ist für uns eine enorme Wohltat und die Vorstellung, diese Oase wieder zu verlassen, zurück in die Wüste, zurück ins turbulente, laute, stinkende Thailand zu reisen, gefällt uns gar nicht. Wir wollen dieses Kleinod nicht so schnell wieder aufgeben.

Unsere Speicher sind in den letzten Wochen gefüllt worden mit Eindrücken und Erlebnissen. Die Sinne waren ständigen Einwirkungen, subtilen Stromschlägen ähnlich, ausgesetzt, und wir haben momentan keine Lust auf weitere strapaziöse Reize. Wir (oder zumindest ich) fühlen uns gesättigt. Das hat bestimmt auch damit zu tun, dass es bald nach Hause geht und wir langsam loslassen wollen (insofern die Flugzeuge wieder fliegen dürfen), aber sicher auch damit, dass wir beide die Stille als wichtigen Bestandteil für eine gute Lebensqualität erachten. Und die findet man in Thailand, zumindest auf dem Festland, eben nicht gerade vielerorts.

Also gibt es einmal mehr eine Routenänderung. Ist ja nichts Neues, wie die regelmässigen Leser bestimmt schon festgestellt haben. Wir werden nicht nach Chiang Mai fahren, sondern die schöne Strecke entlang des Mekongs zurück nach Nong Khai radeln und von dort dann den Zug nach Ayutthaya nehmen.

Am 27. April sollte uns „Emirates“ wieder zurück in die Schweiz bringen. Ob das auch gelingt, steht momentan in den Sternen, respektive hängt in einer grossen dunklen Wolke. Wir hoffen, dass sich der Himmel über Europa wieder aufhellt, denn uns zieht es zurück in die Heimat. Wir vermissen euch! Wir freuen uns auf euch, auf die Wohnung, auf Sauberkeit und Ordnung, aufs eigene WC, auf die Arbeit, ja sogar aufs kühle Klima!

Also hoffentlich bis bald.

Liebste Grüsse

Mich & Kitty

Zwangspause II

Ein nasses "Hallo" aus dem Norden von Thailand

In Thailand beginnt das neue Jahr Mitte April (von unserer Zeitrechnung ausgehend). Der Jahreswechsel wird hier drei bis vier Tage ausgiebig gefeiert, allem voran, indem sich die Menschen in Feuerwehrmanier mit Wasser bespritzen – besser gesagt - sie überschütten sich mit Wasser, als ginge es darum, brennende Säulen zu löschen. Dafür werden grosse Fässer mit Wasser gefüllt und am Strassenrand platziert. Ein Wasserschlauch liegt bereit, damit sofort nachgeladen oder sogar direkt als Spritze eingesetzt werden kann. Mittels Wasserpistolen – nein- Wassergewehren – ach was, meistens sind es Wasserkanonen oder Kübeln, wird dann einfach jeder und jede, die vorbeifährt oder sonstwie des Weges entlang kommt, mit Wasser bombardiert, bis kein Fleck an dieser Person mehr trocken ist. Die ganz Üblen schmieren anschliessend das „Opfer“ noch mit Puder ein oder verwenden farbstoffgefärbtes Wasser, um dem Ganzen noch eine farbliche Note zu verleihen. Es gibt Strassenabschnitte, da stehen alle 10 Meter solche „Waschanlagen“. Bei der enorm hohen Temperatur, die gegenwärtig über dem Land hängt wie Saunaluft, ist dies eigentlich ein wunderbares, angenehmes Ritual…

… solange man nicht auf einem beladenen Fahrrad unterwegs ist und alle paar Meter an einem solchen Wasserposten vorbeifahren muss.

Gerade mal einen Tag konnten wir von Nong Khai aus dem Mekong entlang fahren – es war der erste Festtag, an dem im Verhältnis zu den drei folgenden Tagen noch recht verhalten mit Wasser geworfen wird – doch wir mussten einsehen, dass es keinen Sinn macht, während den nächsten drei Tagen Rad zu fahren. Es ist schlichtweg zu gefährlich. Einerseits werden die Wassermassen mit grosser Wucht geschleudert, was schnell mal dazu führt, dass man ins Wanken gerät, zum anderen sind die Strassen durch die Nässe glitschig wie Ölsardinen. Ich bin dann auch prompt gestürzt, als mich ein paar Jungs attackierten und ich ihnen mit einem Schlenker auszuweichen versuchte.

Und nicht zuletzt wird in dieser Zeit auch reichlich Alkohol konsumiert – und natürlich trotzdem Auto und Motorrad gefahren.

Also besser in dieser Zeit den Strassen fernbleiben. Wir entschieden, die Räder erneut an die Wand zu stellen und diese nassen Festtage vorbeiziehen zu lassen.













jeder fängt mal klein an!
































Liebste Grüsse

Kitty & Mich

10. April 2010

Zwangspause

Ein weiteres Sawadii Krap aus Thailand


Wir hängen immer noch in Nong Khai. Eigentlich wollten wir gestern (Freitag) weiterziehen, doch Kittys Verdauung befindet sich momentan auf Achterbahnfahrt und alles, was sie zu sich nimmt, verlässt den Körper nur in flüssiger Konsistenz. Kein Zusatand, um aufs Velo zu sitzen.



Zum Glück haben wir hier ein wunderbares Zimmer sowie eine gute Infrastruktur. Und die Betreiber des Guesthouses sorgen sich einfach rührend um uns.

Zu den Geschehnissen in Bangkok: Wir werden hier von den Ausschreitungen via Zeitung und Internet auf dem Laufenden gehalten. Die gemütliche Stimmung in Nong Khai lässt nicht ahnen, dass es in der Hauptstadt des Landes momentan sehr turbulent zu und her geht. Wir sind natürlich froh, weit weg von diesem Chaos zu sein und hoffen, dass sich das Ganze wieder beruhigt. Zu der Situation politisch Stellung beziehen wollen wir nicht, weil wir schlichtweg die ganzen Hintergründe der Sache nicht erfassen können und auch nicht urteilen wollen, wer recht hat und wer nicht. Schlimm finden wir, dass eine anfänglich friedliche Kundgebung so in Gewalt ausarten muss und dabei Menschen getötet oder verletzt werden. Wir erleben Thailand als so friedliches Land und sind umsomehr schockiert, dass auch hier ein grosses Potential an Gewaltbereitschaft vorhanden ist, was natürlich vermuten lässt, dass da einiges unter der schimmernden Oberfläche brodelt.


Sonntag, 11. April 2010

Kitty geht es wesentlich besser als die beiden Tage zuvor. Wir haben heute sogar eine kleine Velotour zu einem Park gemacht. So wie es aussieht, können wir morgen wieder aufbrechen.

Liebe Grüsse

Mich & Kitty

6. April 2010

Retrospektive auf zwei anstrengende Wochen

...
Sawadii Kap, Sawadii Krap


Vorgestern sind wir in „Nong Khai“, einer Grenzstadt zwischen Thailand und Laos, eingetroffen. Die beiden Länder werden hier vom gemächlich dahinfliessenden Mekong getrennt, diesem mächtigen, imposanten Fluss, der wie ein riesiger Regenwurm durch einen tropischen Garten schlürft und eine Trägheit verbreitet, die uns momentan sehr gelegen kommt.




Am Mekong angekommen


Wir haben uns in einem wunderschönen Guesthouse einquartiert und geniessen Sauberkeit, Ruhe und das, dank Klimaanlage, kühle Zimmer. Hier werden wir ein paar Tage verweilen und unsere Energie für die Weiterfahrt aufpeppen; denn die ist momentan etwa so frisch wie eine Radlerhose nach einer längeren Tour in der feuchten Hitze Thailands. Mit anderen Worten: wir sind ausgelaugt, zerknittert, stinkig und müde von der letzten Woche und brauchen unbedingt eine längere Pause.






Ruhetag


Seit unserer Abreise aus Ayutthaya sind wir durch ein ständiges Wechselprogramm gezogen worden, als ob wir ein Paar Socken wären, das in einer Waschmaschine vergessen worden ist und immer wieder durch einen anderen Waschgang geschleudert wird – nur dass wir dabei alles andere als sauber wurden. Allem voran war es der dröhnende, ätzende Verkehr, der während der ersten Tage pausenlos an uns vorbeidonnerte, der uns enorm zusetzte und an unseren Nerven kaute, wie ein Biber am Baum. Die Route gegen Osten war unglücklich gewählt, wir sind tagelang auf dichtbefahrenen Strassen in einem endlosen Strom von Lastwagen durch Industriegebiete geradelt, haben in schmutzigen, heruntergekommenen Orten gegessen und geschlafen und immer wieder gehofft, dass der nächste Tag besser sein wird.

Was für ein Unterschied zur Route, die ich die Wochen zuvor gefahren bin! Welch Einstieg für Kitty!




Stinkig und laut




Das Wetter hat sich dieser Misere gleich angepasst und sich ebenfalls sehr launisch gezeigt. Mal war es so heiss, dass man kaum noch atmen konnte, ohne dass man das Gefühl hatte, die Lungenflügel schmelzen wie Plastik im Feuer, dann brach plötzlich ein Gewittersturm über uns herein, der uns bis auf die Knochen aufweichte und uns so frieren liess, dass wir meinten, wir sitzen in Badehosen auf einem Eisblock. Ein paar Stunden später brutzelten wir wieder in der Sonne wie Würstchen auf dem Grill. Dazu noch Gegenwind. Egal, in welche Richtung wir steuerten, der Wind wollte uns einfach nur von vorne sehen.




Regenfront




Waschtag


Nach fünf Tagen erreichten wir Nang Rong. In der Nähe dieser Stadt befinden sich alte Khmer Tempel (ähnlich wie Angkor Wat in Kambotscha, nur viel kleiner) und wir beschlossen, zwei Tage zu bleiben - obwohl Nang Rong überhaupt nichts Gemütliches oder Liebevolles vorzuweisen hat.







Wunderschöne Anlage


Hier fanden wir dann heraus, dass die einzige und nächste Stadt, in der ich mein Visum verlängern konnte, 75 Kilometer westlich liegt, in einer kleinen Ortschaft, die wir einen Tag zuvor durchquert hatten. Wir waren also gezwungen, den gleichen Weg zurück zu fahren, den wir bereits abgestrampelt hatten. Zu allem Pech schlug sich Kitty auf einem desolaten Gehsteig den grossen Zeh an und riss sich eine eklige Fleischwunde auf. Das war dann einfach alles zu viel für unsere lädierten Gemüter. Es war an der Zeit, das Programm neu zu formatieren und die lästigen Viren zu entfernen.

Nachdem ich meine Visumsverlängerung im Pass hatte, bestiegen wir mit Sack und Pack den Zug und fuhren 200 Kilometer in den Norden nach Khon Kaen, eine grössere Stadt im Zentrum von Isaan, der nordöstlichsten Gegend Thailands. Und das war eine gute Idee! Nachdem wir auch diesen Schmelztiegel hinter uns hatten, konnten wir nun auf ruhigen Strassen Fahrrad fahren. Endlich war die Luft nicht ständig mit Motorenlärm und Abgasen gefüllt, endlich waren wir in ländlicher Gegend unterwegs, wo uns die Leute aus ihren Hütten einen euphorischen Gruss zuriefen, endlich konnten wir während dem Radeln auch mal zusammen ein paar Worte wechseln.

Tat das gut!

Der absolute Höhepunkt war dann eine Übernachtung in einem Resort in der Nähe eines Staudammes. Wir hatten ein Zweizimmerappartement für uns alleine und die Umgebung war vollkommen ruhig. Kein Verkehr, keine laute Musik, kein Gestank, kein Schmutz und keine lärmenden Thais. Es war für uns Himmel auf Erden. Wir waren Adam und Eva im Garten Eden. Königin und König auf „Schloss Staudamm“. Als wir am Abend über die Staumauer geschlendert sind und zugeschaut haben, wie die knallrote Sonne in den ruhigen See plumpst, wurde uns wieder warm ums Herz und wir konnten uns mit diesem manchmal doch so anstrengenden Land friedvoll versöhnen.





Und so wendete sich das Ganze doch noch zum Guten. Die Radlertage nach Nong Khai waren zwar anstrengend, weil es momentan extrem heiss ist, aber dennoch genussvoll. Ebenso, wie wir uns das vorgestellt haben.

Kitty meistert die Strapazen des Veloreisens mit Bravour. Sie radelt wie eine Fee, die von Elfen getragen wird, und dies, obwohl sie doch monatelang nicht auf dem Velo gesessen ist. Für mich ein vollkommenes Rätsel. Mit den hohen Temperaturen hat sie zwar (noch) zu kämpfen, doch das können wir zum Teil umgehen, indem wir sehr früh am Morgen aufbrechen und wenn möglich nur kurze Etappen radeln. Die Nachmittage verbringen wir nicht auf dem Sattel. Es ist einfach unmöglich, in diesem Ofen Rad zu fahren.

Wir haben nun unsere Route verändert und werden nicht wie ursprünglich geplant nach Laos reisen, weil ich dadurch meine (teure) Visumsverlängerung verlieren würde. Unser nächstes Ziel wird – dreimal dürft ihr raten – Chiang Mai sein. Wir werden eine Weile dem Mekong in westlicher Richtung folgen und dann über Phitsanulok die nördliche Hauptstadt anpeilen. Die Strecke ist mir sehr gut bekannt, und ich weiss, dass wir auf diesem Weg viele schöne Etappen fahren können. Keine Experimente mehr. Wir wollen die letzten Wochen richtig geniessen können.

Und wir werden es euch wissen lassen, wie es uns dabei ergangen ist.





Seid ganz herzlichst gegrüsst.

Mich & Kitty

27. März 2010

Bilder der ersten Woche

...
Hallo

Hier ein paar Bilder der ersten Tage gemeinsam "on the road"







Kitty in action




Mich is doing the same










Bereits dem "Iced Coffee" verfallen




Dustiges Wetter




Genussvolles Auftanken